Aktuelles

Samstag, 12. August 2017 - Abschied, Ausflug, Aufstieg und Antenne

Dieses Mal werden viele gute Freunde verabschiedet
Dieses Mal werden viele gute Freunde verabschiedet

Obwohl hier jeder sein eigenes Heim hat leben wir doch auf einigermaßen engem Raum zusammen; man sieht sich von Montag bis Freitag auf der Arbeit, hat Hauskreise zusammen, besucht die Gemeinde und man lädt sich ein. Was selbstverständlich auch eine Herausforderung sein kann, ist aber auch sehr häufig ein Segen. Dabei entwickelt man zwangsläufig tiefe Freundschaften und ein Abschied von diesen Personen fällt dann besonders schwer. Wie zum Beispiel bei der letzten Abschiedsfeier. Dieses Mal wurden u.a. Udo und Barbara Klemenz verabschiedet; Udo hat den Bau und die zahlreichen Erweiterungen des Hospitals maßgeblich geleitet und auch bei dem Ausbau des zweiten Stockwerkes seine Hand im Spiel gehabt (auf dem Titelbild links). Mein lieber Freund und Arbeitskollege Markus Rolli hat nun beinahe sechs Jahre investiert um den Krankenhausbetrieb am laufen zu halten. Wir haben eine tolle Zeit zusammen verbracht und ich konnte sehr viel von ihm lernen. Wir als Familie wünschen ihm und seiner Frau Juliana alles erdenklich Gute für die Zukunft! Und dann wären da noch unsere lieben Freunde die Seilers. Im Grunde sind sie ein wenig mit daran Schuld, dass wir nach Peru aufgebrochen sind. Wir kennen Stefan und Tabea seit sehr vielen Jahren und sie werden uns hier sicher fehlen. Auch ihnen wünschen wir vor allem Gottes reichen Segen für euren Neuanfang in Deutschland.

 

Vor gut zwei Jahren waren wir bei einem medizinischen Einsatz in der nahegelegenen Gemeinde Ccocha. Die Lagune dort hat uns so gut gefallen, dass wir mit einer befreundeten Familie an einem Wochenende die Zelte aufgeschlagen haben um die Landschaft zu genießen. War die Sicht am Freitagabend noch eher bescheiden und bewölkt, hat uns der nächste Morgen mit einer fantastischen Aussicht auf unsere Cordillera (Bergkette) beschenkt; Bilder 2 und 3.

 

Ebenfalls einen tollen Blick hatte André dann am Wochenende darauf. Mit unserem Gastchirurg Reinhard Kühn hat er eben diese Cordillera dann aus nächster Nähe angesehen und ist auf 5108m gestiegen. Erwähnenswert ist dabei, dass Reinhard bereits 72 Jahre alt ist! Aber die Fitness scheint in der Familie zu liegen, denn seine Geschwister sind ebenfalls ambitionierte Wanderer und Bergsteiger (Bild 4).

 

Nachdem der Antennenturm in Curahuasi nun steht, präparieren wir derzeit die elektrischen Arbeiten, damit wir bald auch die Up-/ und Downlinks am Turm befestigen können, sodass der provisorische Turm am Hospital wieder abgebaut werden kann. Da wir in Curahuasi in der Regenzeit häufiger mit Blitzschlag rechnen müssen haben sich Markus Rolli, der Australier Chris Welch und André zusammengesetzt um den Blitzschutz zu verbessern. Die Philosophie und Idee von Blitzschutz ist hier in Peru leider ein paar Jahre zurück und deshalb haben wir befürchtet, dass die sehr teuren Geräte im Falle eines Blitzeinschlages zerstört werden könnten. Chris ist Profi auf dem Gebiet der Radiotechnologie und so haben wir uns Klettergurte umgeschnallt und sind auf den 30 Meter hohen Turm geklettert um in luftiger Höhe den Blitzfang zu ändern (Bilder 5 und 6).

 

Wir als Baptistengemeinde haben einen gemeinsamen Gottesdienst veranstaltet und dazu die 14 Gemeinden in der näheren Umgebung eingeladen. Abgesehen von der Zusammenkunft der Gemeinden war es auch das Ziel ein wenig Geld einzusammeln das wir als Gemeinde dringend benötigen um ein Dach auf den zweiten Stock setzen zu können wo auch die Kinderstunden stattfinden. Derzeit ist unser Gemeindedach nur provisorisch mit Hölzern und Plastik abgedeckt und es gibt auch keine Fenster dort. Um dieses Geld einnehmen zu können, wurden 400 Portionen Hähnchen und Getränke, sowie Kuchen verkauft und ein kleines Fußballturnier veranstaltet. Reichen wird es noch nicht ganz, aber wir können sicher bald anfangen Material zu kaufen (Bild 7).

 

In der letzten Woche kamen nun insgesamt drei Container und ein Lkw mit Material für das Hospital. Manchmal ist es ein klein wenig wie Weihnachten und wir in der Technikabteilung freuen uns immer sehr, denn mit diesen, häufig gespendeten Materialien, können wir endlich Probleme im Hospital beseitigen, die uns sehr lange beschäftigt haben. Gestern Abend kam nun der vierte Laster und da wir den Fahrer nicht so lange warten lassen konnten/wollten, haben wir uns um 21:30 Uhr nocheinmal auf den Weg in Hospital gemacht um den Laster von seiner Last zu befreien. Um 23:15 Uhr war es dann geschafft und wir konnten in das Wochenende starten. Schlafend selbstverständlich (Bilder 8 und 9).

 

Ein kurzer Zwischenstand im Gehege: Unsere Hühner wachsen und gedeihen. Das braune legt sogar schon Eier (Bild 10).

Montag, 27. Juni 2017 - Eine ereignisreiche Woche

Zum Schulgeburtstag wird marschiert
Zum Schulgeburtstag wird marschiert

In der vergangenen Woche hat das Colegio Diospi Suyana seinen dritten Geburtstag gefeiert. Sonntags wurde deshalb auf der Plaza de Armas, dem Hauptplatz von Curahuasi marschiert. Dies ist eine Angelegenheit von mehreren Stunden, denn dem Marsch von nicht einmal 100 Metern geht ein mehrstündiges Warten voraus. Wie so oft heißt es in Peru warten und so standen wir erstmal zwei Stunden, was für ein Segen - im Schatten. Wir sind sehr dankbar für unsere Lehrer, die sich sehr darum gekümmert haben, dass die Kinder unserer Schule im Schatten stehen konnten. Nicht selbstverständlich, warten doch andere Schulen stundenlang in der starken Sonne. Dann ging es los, mit allem Drum und Dran: Peruanische Fahne, peruanische Nationalhymne und Marschieren, vorher wurde natürlich geübt. Alina und Melissa sind schon richtige kleine Experten. Und danach gab es natürlich ein Eis.

Im Rahmen des Schulgeburtstags gab es auch wieder die Projektwoche. Es war schon erstaunlich, was die Kinder in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. Zumal wir uns immer wieder sagen müssen, dass diese Dinge hier keine Selbstverständlichkeit sind. Es gab Projekte, in denen die Kinder Einkäufe erledigt haben, mit dessen Dingen gekocht und gebacken haben und somit lernen zu kalkulieren, für wie viel Geld sie ein Produkt verkaufen müssten, um einen Gewinn daraus zu erzielen. Für uns ein starkes Projekt, denn viele Erwachsene können hier nicht gut kalkulieren. In anderen Projekten wurden aus einfachen Mitteln Wasserfilter gebaut, es gab auch die ersten Experiemente im neuen Chemieraum. Ein weiteres Projekt war das Nähen und Bemalen von Stofftaschen um den Plastiktütenverbrauch zu reduzieren. Alina hatte sich für das Wanderprojekt "en dos patitas" (Auf zwei Beinchen) entschieden und ist auf drei verschieden Berge und Erhebungen in der Nähe gewandert. Auf einem der Berge kam ihnen ein sehr großer Vogel sehr nahe. Wir rätseln immer noch, ob es ein Condor gewesen sein könnte.

Samstag, 10. Juni 2017 - Geduld, Geduld

Das wieder funktionierende Problemgerät
Das wieder funktionierende Problemgerät

Häufig merken wir schon kaum noch, dass wir für einige Dinge im Alltag etwas länger brauchen als gewohnt. Ob es nun das Herstellen der Lebensmittel ist, die man hier nicht einfach kaufen kann, oder auch die etwas mühsamere Bewältigung des Haushaltes oder Alltages, wenn der Strom oder das Wasser mal ausfällt (während ich den Bericht schreibe, haben wir übrigens gerade seit über zwei Stunden keinen Strom, aber der Akku vom Laptop ist treu und hält sich wacker). Seit Anfang des Jahres merken wir auch bei einer Sache mal wieder, dass wir in Peru sind und alles etwas länger dauert. Vielleicht waren wir hier deshalb dann auch schon etwas gelassener:

 

Am 11. Januar stand für uns der Kauf eines Staubsaugers an. In unserem neuen Zuhause haben wir einen Holzboden mit Rillen und da sich dort bekanntlich gerne Staub ansammelt und André etwas empfindlicher auf Hausstaub reagiert, erledigten wir diesen Punkt auf unserer Einkaufsliste bei einem unserer Cusco-Aufenthalte. Hier in Curahuasi ist der Kauf eines solchen Gerätes leider nicht möglich und so liegt der Einkaufsladen unserer Wahl nicht etwa 20 Minuten über die Autobahn recht nahe, sondern wie immer 2,5 Stunden Kurvenfahrt durch die Anden. Leider bemerkten wir recht bald nach dem Kauf, dass das gute Stück nicht besonders gut funktionierte und schon nach vier Wochen war er für die Verwendung komplett funktionsreduziert (also untauglich).

Da wir nur etwa alle zwei Monate nach Cusco fahren, mussten wir also warten, denn auch die relativ einfache Möglichkeit eines Postversandes wie in Deutschland, ist hier nicht denkbar. Im April fuhren wir guten Mutes in das Geschäft wo wir das gute Stück gekauft hatten. Leider wurde uns das Gerät aber nicht umgetauscht, sondern wurden auf den technischen Service verwiesen, der aber am Wochenende leider nicht geöffnet hat und so war für uns ein erneuter Weg nach Cusco vorprogrammiert. Kurz kam uns der Gedanke, ob wir nicht einfach ein neues Gerät kaufen sollten bei dem Aufwand, der da auf uns zukam, aber auch in Peru kostet so ein Teil ja Geld. Da Sandra kurz darauf nochmal unter der Woche in Cusco war, konnte sie das Gerät dann doch recht schnell beim gewünschten technischen Ansprechpartner abgeben.

Nun, Anfang Juni, waren wir wieder in Cusco und wollten das Problemgerät abholen. Der technische Service, der versprach uns anzurufen wenn das Gerät wieder repariert ist, war gewohnt verlässlich - und rief nicht an. Aber wir hofften, dass das Ding nach diesen vielen Wochen vielleicht ja doch schon repariert wurde. Just an diesem Tag war aber der bestimmter Mitarbeiter, der uns unseren Staubsauger hätte herausgeben können nicht da und man wollte uns wieder wegschicken. Da wir aber nicht nochmal zwei weitere Monate warten wollten und der Geduldsfaden recht schmal wurde, beharrten wir auf die Herausgabe der Kiste samt Inhalt und baten den Techniker doch bitte einmal im Regal nachzusehen, ob er nicht etwa einen reparierten Staubsauger der bestimmten Firma in fast neuem Zustand finden könnte und siehe da; er war tatsächlich fertig. Nachdem wir das Gerät nun Anfang Januar gekauft hatten, können wir ihn nun nach nur 5 Monaten auch schon nutzen.

Montag, 27. März 2017 - Neuanfang und Wiedereinstieg

Curahuasi
Das grüne Curahuasi in der Regenzeit

Nun sind wir wieder seit gut vier Monaten in Peru und können nun endlich auch wieder davon berichten. Nachdem nun auch einige Anfragen aus Deutschland kamen bezüglich unserer Sicherheit wegen der massiven Regenfälle hier im Land, haben wir die Gelegenheit genutzt uns bei lieben Freunden ein wenig Internet zu 'leihen'. Uns geht es gut! Glücklicherweise sind wir hier in den Bergen relativ sicher was Überschwemmungen angeht. Wir erleben hier hin und wieder ebenfalls starke Regenfälle, teilweise so stark, dass unsere Straßen zu kleinen Flüssen werden, aber da wir in rund 2600 Metern Höhe leben, fließt das Wasser in den Apurímac (ca 1600 Meter Höhe) und macht Überschwemmungen praktisch unmöglich. Möglicherweise kann es aber passieren, dass wir von der Straße nach Cusco abgeschnitten werden, wenn der Fluss Apurímac zu viel Wasser hat und die Straße überspült. Auch Erdrutsche passieren dann häufiger und macht es manchmal schwierig nach Cusco zu kommen (Bild 1).

 

Mittlerweile sind wir wieder voll im Alltag angekommen, dass heißt unser Wiedereinstieg hat fließend funktioniert. Trotz der Dinge, die wir schon kennen, ist es irgendwie auch ein Neuanfang. Im letzten Rundbrief haben wir von unserem neuen Haus und dem Auto erzählt; zwei Dinge, die uns das Leben hier erheblich vereinfachen und bereichern. Der Umzug in das Haus hat dank der Hilfe von einigen Freunden und unserem Krankenhaus-Unimog reibungslos funktioniert (Bild 2). Zwar müssen wir bis heute, vier Monate später, noch bei einigen Dingen Hand anlegen und ausbessern, aber das macht uns große Freude, weil wir nun die Möglichkeit haben, unser Zuhause nach unseren Vorstellungen und gemäß den Mitteln die wir haben, zu gestalten (Bild 3). Wir wohnen nun sehr viel näher am Stadtzentrum, genauer gesagt zwei Wohnblocks von der Plaza entfernt. Daher bekommen wir aber auch sehr viel mehr vom Alkoholmissbrauch mit. Zum Teil kommen unter der Woche Taxifahrer an, betrinken sich in der Tienda auf der Ecke und fahren! dann wieder weiter um Fahrgäste nach Abancay oder Cusco zu befördern. Noch ein Grund mehr für uns dankbar für das eigene Auto zu sein! (Bild 4). Auf Bild 5 kann man sehen, mit welchen Problemen wir hier ebenfalls regelmäßig konfrontiert sind. Mangelnde Qualtität bei Materialien, egal welcher Art. Beim Anbringen einer Holzverkleidung im Wohnzimmer sind mir bei allen! Schrauben die Köpfe abgerissen. Soweit stört das nicht. Erst wenn wir auf die Idee kommen die Einrichtung zu ändern, werden wir hier nur mit Brecheisen oder Feuer weiterkommen können.

Während unserer Vortragsreihe in Deutschland haben wir davon berichtet, dass wir gerade dabei sind die Schulküche zu bauen. Kürzlich haben wir sie fertiggestellt, sodass wir die Einweihung feiern konnten. Dazu wurden diejenigen eingeladen, die hauptsächlich an der Entstehung der Küche beteiligt waren. Das Band wurde nach einer kurzen Rede unseres neuen Kochs Freddy, von ihm selbst und von Dr. Klaus John feierlich durchgeschnitten. Seitdem bekommen momentan rund 100 Schüler und Lehrer ein leckeres Mittagessen, was für alle eine erhebliche Erleichterung und Bereicherung ist (Bilder 6 und 7).

Auch bei unserer Baptistengemeinde sehen wir eine wunderbare Entwicklung. Wir sehen, dass die Gemeinde wächst und den Wunsch hat auch tatsächlich etwas zu tun und zu bewirken. Das verdanken wir sicher auch vor allem unserem neuen Pastor, der sehr interessiert und engagiert ist. Unter anderem spielen wir jeden Montagabend Fußball auf dem Gelände unseres Diospi-Colegios mit anschließender Andacht. Wir hoffen, auch dadurch Kontakte zu ''Gemeindefremden'' knüpfen zu können, die wir anders möglicherweise nicht erreichen könnten. Denn der Sport, allem voran der Fußball, bietet eine tolle Möglichkeit Menschen zu erreichen (Bild 8).

 

Wie oben kurz angedeutet, hatten wir in den letzten acht Wochen Probleme mit dem Internet. Genau genommen hatten wir gar keines. Teils aus Desinteresse von einem Internetanbieter, teils aus Unzuverlässigkeit Dritter. Hoffentlich können wir am kommenden Wochenende einen Vertrag in Cusco abschließen. Ob wir dann regelmäßiger Berichte schreiben liegt dann natürlich an uns ;-)

 

Wir sind Euch allen so überaus dankbar, dass Ihr uns in Gedanken und im Gebet begleitet! Danke auch für Eure finanzielle Unterstützung, mit der wir in unseren zweiten Term starten konnten und uns diese so wertvolle Arbeit ermöglicht. Fühlt Euch herzlich gegrüßt und seid und bleibt gesegnet!

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